Törnbericht
Von Ost nach West durch's Mittelmeer

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Törn 07 - Die Dodekanes Inseln
über Kos, Kalymnos nach Leros

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Mittwoch, der 12.5. hält eine ganz besondere Überraschung für uns bereit, es wird ein typischer Veligandutag, voller Überraschungen.

Morgens um 0600 werden die Segel gesetzt für Astypaläa, ca. 40 sm gen Westen. Wir laufen aus Palon aus und haben nur noch wenig Welle, welch angenehme Überraschung. Allerdings hält das Wohlgefühl nicht lange vor, als wir die SW-Ecke von Kos querab haben, pfeifft es von Kos runter, die Katzen tummeln sich. Naja, denken wir schlau, das ist nur die Einwirkung von Kos, laut Wetter soll ja nirgends was sein, flache Druckverteilung, schaun mer mal....Also weiter.

Der Wind legt zu, schert sich nicht um das Wetter, die Welle klettert aufs Vordeck und die Stimmung sinkt.

Nach 10 sm haben wir die Nase gestrichen voll, verfluchen die verd... Ägäis, vor allem angesichts der Meilen die bis zum Festland noch vor uns liegen und drehen rum. Dabei pumpt sich Rasmus auf, offensichtlich ist er sauer, dass wir auf seine Nasenwindschikanen verzichten, er haut eine Böe rein und......jawoll, die Genau mal wieder, 2x "Rrrratsch" und 2 neue Probleme sind geboren! Genua mal wieder runter, Babysail hoch und weiter.

Mit der nunmehr friedlichen achterlichen Welle laufen wir nach Palon zurück, das heisst, nach ein paar Minuten gucken wir uns an,...."Nach Palon? Hm,...nööö,.und morgen siehts dann auch nicht besser aus!" Also was dann?

Erstmal Yali, ein Traumankerplatz nördlich Nisiros, südlich Kos, verschnaufen. Der Skipper zückt die Karte, nimmt einen Standort, stellt fest, dass es zu unserem Geheimtip des letzten Jahres, einem Fischerfluchthafen an der Nordseite von Kos auch nicht sehr viel weiter ist, als nun nach Yali zu laufen. Also, 3. Planänderung, nicht Palon, nicht Yali, Nordhafen Kos, ok.

Die Welle kommt mehr aus West und so ist der Nordkurs gut zu ertragen, der Wind pendelt um 20 kn, verstärkt sich nur am Südwestkap von Kos. Um uns das zu versüssen, geht der erste Thun des Jahres an die Angel....... und haut gleich wieder ab, der Bursche war zu schlau, aber wir tippen uns nur vielsagend an die Stirn ob dieses merkwürdigen Tages.

Die Westküste von Kos, mit wunderschönen Sandstränden hat Kaugummiqualität, so stretcht sie sich, aber irgendwann laufen wir erwartungsvoll in den kleinen Fluchthafen auf der Nordseite ein.

Hafen Praso
Dieser offensichtlich neue kleine Hafen ist in keinem der derzeitigen Führer verzeichnet. Er liegt dicht unter Vrak. Praso an der Nordseite der Insel Kos und bietet nichts als Schutz.
Praso ist ein kleiner Fischerhafen am NW-lichen Ende von Kos. Ausser Fischerbooten, Badegästen und einer Bar am Strand gibt es hier nichts. Aufgrund seiner Lage sollte er aber als Fluchthafen bei Nordwinden brauchbar sein. Auf jeden Fall würden wir ihm gegenüber Mastikhari den Vorzug geben, da in Mastikhari die ganze Nacht Trubel wegen der Fähren herrscht und, damit verbunden, auch Schwell.

Als ob man an einem solchen Tag was anderes zu erwarten hätte! Natürlich werden wir auch hier gefrustet, unser kleiner Traumhafen vom letzten Jahr ist reichlich versandet, die Einfahrtstiefe hat sich von 2.9m auf gerade mal 2m verringert, teils darunter, die schönen Sandflecken im Becken, auf denen man hätte gut frei ankern können, sind dieses Jahr bedeckt von Kraut und Müll, auch hier die Tiefe teils unter 1.5m.

Reichlich belämmert guckt sich die Crew um, unsere Tochter stellt fachfraulich fest, "In dem Dreck hält der Anker niiie!" und als gehorsame Eltern drehen wir um und setzen mal wieder Segel.


Plan Nr. 4 an diesem verrückten Tag heisst Heidibucht auf Kalymnos, nur knapp 1.5 h entfernt, das scheint ok.

Nun ist aber in der Heidibucht der Hund begraben, so wie wir (Skipper und Bordfrau) es lieben, Natur pur, nur ein paar Ziegen (daher der Name Heidibucht!)

Heidibucht
Kap Tolmi bietet auf seiner Ostseite eine Traumbucht für Einsamkeitsfanatiker. Man liegt in schöner Umgebung auf feinstem Sand und hat zudem noch Schutz gegen den Meltemi. Gegen alle südliche Winde ist die Bucht komplett offen und so erreichen auch grosse Wellen, hervorgerufen durch Kreuzfahrtschiffe und Fähren in der Nacht den Ankerplatz, was für unruhige Nächte sorgt, aber nicht gefährlich ist. An Land "enterten" Ziegen unser Dingi, weshalb wir die Bucht auch "Heidibucht" tauften, man wartete bloss noch auf den Geissenpeter... Die die Bucht umgebenden Hügel erlauben einen Traumblick über das Meer.

Aber wir haben die Rechnung ohne unsere Kinder gemacht, sie gucken sich vielsagend an und beschliessen einstimmig, neee, Änderung zu Plan 5, Vlikhadia

Vlikhadia
Vlikhadia ist eine typische Bade- und Ausflugsbucht, tagsüber Rummel, abends relative Ruhe und als Ausweichbucht bei Meltemi geeignet, wenngleich nachts immer etwas Schwell in die Bucht steht und mit Fallböen zu rechnen ist.

Was soll´s, der Bordfrau ist mittlerweile alles egal und so gehen wir erstmal Richtung Vlikhadia.

Allerdings nur solange, bis der Skipper feststellt, es seien doch nur noch 16 Meilen bis Leros und heute abend in Lakki zu sein, das wär´s doch, oder so.......

Schön, aller guten Dinge sind 6 und so bleibt es dann auch tatsächlich bei dem Plan Lakki, nachdem wir festgestellt haben, dass wir so eine bessere Route gen Westen nehmen können, wenn wir nunmehr höher nach Norden ziehen.

Mit dem Plan Astypaläa hätten wir nämlich, unter Umgehung von Amorgos, bis zu den nächstbrauchbaren Ankerplätzen südlich von Naxos gute 50 Seemeilen zu überwinden gehabt, was reichlich ist, wenn unterwegs Wind und Welle zulegen.

Nunmehr, von Lakki aus, können wir in kleinen 20-30 Meilenschritten weitergehen, was sicherlich angenehmer ist, ausserdem können wir für die CD mehr neue Ankerplätze erkunden!

Aber zunächst einmal beschert uns die SW-Spitze von Kalymnos den 2. Thun des Tages und DER landet auch an Bord. Das abendliche Sushi zur Feier des Tages ist gerettet. Rasmus und Neptun gucken sich an, meinen, sie hätten uns genug gepiesackt und halten Friede, so enden die langen 60 Meilen dieser Odyssee höchst friedvoll und alle sind mehr als happy, als wir vor dem Kai von Agmar in Lakki die Mooring aufnehmen.

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(C) 1999 Karin und Friedrich Gerkhardt, Catamaran Veligandu


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